Friedrich von Borries: Design als Intervention

Design ist bis heute kein präzise umrissenes Feld. In Zuschreibungen wie »Grafik«, »Industrie«, »Produkt«, »Ausstellungs«­-Design zeigt sich die immense Breite der mit Design benannten Praxen der Gestaltung. Im englischen Sprachgebrauch, und auch hierzulande, unterscheidet man Fashion­, Urban­, Interior­, Environmental­, Game­, Stage­ oder Service­-Design, und dies sind nur einige Beispiele, tatsächlich ist die Spanne noch wesentlich größer. Gleichzeitig sind innerhalb der eng umschriebenen Teilgebiete die disziplinären Selbstverständnisse höchst different; verstehen sich die einen als Künstler oder zumindest als »Autoren«, sehen sich andere als rein kommerzielle Dienstleister.

Dabei bleibt der politische Charakter von Design oft unbeachtet. Das politische Moment des Designs manifestiert sich in seiner Alltäg­lichkeit; Design betrifft alles und alle. Es prägt unsere Wahrnehmung und unseren Geschmack, beeinflusst unsere Alltagshandlungen, drückt bestehende Ordnungen aus und beeinflusst sie zugleich. (…)

»Intervenieren« heißt, in Prozesse einzugreifen. Der Gegenstand, der untersucht und reflektiert wird, ist nicht entfernt, distanziert, »ob­jektiv«, sondern er wird durch das eigene Eingreifen »einverleibt«, subjektiv. Für die interventionistische Designforschung heißt das: Um verborgene Prozesse im Design transparent zu machen, wird Design generiert, das dann zum Gegenstand der – eigenen – Forschung wird. Der Forscher wird zum Designer, der Designer wird zum Forscher. Um mit dieser Doppelrolle umzugehen, bedarf es einer Methode der selbstreflexiven Hinterfragung. (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 184)

Friedrich von Borries, geb. 1974, ist Architekt und Professor für Designtheorie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Zuletzt erschien „Weil Design die Welt verändert … Texte zur Gestaltung“.
Mara Recklies, geb. 1983, ist Philosophin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.

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