Stefan Welzk: Der Wald, die Angst und das Geld

Es ist das Wesen der romantischen Seele, ihren Gegenstand außerhalb der Wirklichkeit zu haben. Wo denn findet er sich, der deutsche Wald? Was da rumsteht von der Luhe bis zur Isar, Kiefern Stamm bei Stamm, in korrekten Gevierten und kerzengerader Monotonie, ganz oben, nur ahnbar noch, etwas Nadelgrün, das hat doch mit dem, was die Leute aus deutscher Oper und Heimatkundeunterricht als Wald im Kopf haben, überhaupt nichts zu tun. Nutzwald eben, ein Produkt des 19. Jahrhunderts wie die ganze Romantik, die das nicht wahrhaben will und eigens entstanden ist, um die Industrialisierung. (…)

Aus: Kursbuch 74, »Zumutungen an die Grünen«, 1983, S. 29, 35, 38

Schockiert vom Beitrag »Fetisch Wald. Scherzo funebre« hatten damals, 1983, einige Kursbuch ­Abonnenten der Redaktion ihre Kündigung mitgeteilt. Offenbar war der Sarkasmus des Textes – eine Persiflage auf die damals gängige lobbyistische Verharmlosung und Verantwortungslosigkeit, gespickt mit namentlichen Zitaten – nicht von allen durchschaut worden. Doch seinen Zweck hatte er erreicht: Betroffenheit und Entsetzen ob der verlogenen bis zynischen Reaktionen der Zitierten und ihrer Verbände auf dieses doch unübersehbare ökologische Desaster. Angeregt zu dieser Art von Brutalsatire hatte mich der irische Schriftsteller Jonathan Swift. (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 182)

Stefan Welzk, geb. 1942, ist Philosoph, Physiker, Wirtschaftswissenschaftler, Journalist und Fachbuchautor. Zuletzt erschien »Leipzig 1968. Unser Protest gegen die Kirchensprengung und seine Folgen.«

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