Alfred Hackensberger: Der Tod als Waffe

Bei klarem, sonnigem Wetter kann man vom Boulevard Pasteur im Zentrum Tangers aus die Küste der Iberischen Halbinsel deutlich sehen. Sie scheint zum Greifen nahe und nur einen Katzensprung entfernt. Tatsächlich dauert die Fahrt mit der Schnellfähre gerade mal eine halbe Stunde über die Meerenge. Für das Ticket brauchen Passagiere aller­ dings einen westlichen Pass oder ein gültiges Schengen­ Visum. Beides haben die Flüchtlinge natürlich nicht. Viele von ihnen beantragten zu Hause ein Visum für Deutschland, Frankreich oder Großbritannien, bekommen haben sie keines.
Und deshalb sind sie in Tanger, um mit einem Schlauchboot über die Meerenge nach Spanien zu rudern. Nicht ungefährlich, aber trotzdem: »Denn dort beginnt alles Gute, ein ande­res, besseres Leben«, wie sie alle sagen. »Dort gibt es jede Menge Arbeit, eine gute Ausbildung, wer fleißig ist, kann reich werden und eine schöne Frau oder einen wohlhabenden Mann heiraten.«

Sie alle geben für ihren Traum viel Geld aus. Die einen zahlen 3000, andere 10 000 Euro. In jedem Fall wäre es genug, um sich in ihren Heimatländern eine neue Existenz aufzubauen. Es sind nicht die Ärmsten der Armen, wie man sich das gemeinhin so vorstellt, die sich auf den Weg nach Europa machen. »Das war noch nie so«, bestätigt die spanische Migrationsspezialistin Carmen González Enríquez. »Die Ärmsten könnten sich die teure Reise gar nicht leisten. (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 183)

Alfred Hackensberger, geb. 1959, ist Journalist. Er arbeitet als Korrespondent für Die Welt und Die Sonntagszeitung und berichtet in seinem Blog »Arabische Welten« aus seinem Leben in Marokko und dem Libanon. Zuletzt erschien von ihm »Lexikon der Islam-Irrtümer«.

Das Kursbuch und auch die Abos können Sie im Shop ansehen.
Den Newsletter des Kursbuchs können Sie hier bestellen:

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar (moderierter Bereich)

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind markiert *