Stephan Opitz: Das Grosse und Ganze – Verschwimmend

Kultur ist – irgendwie – alles. Oder auch nichts. Oder – irgendwie – irgendwas dazwischen. Kulturpolitik steht uneingeschränkt für Kultur und für Kunst schon gar – wer gegen Kulturförderung als Ergebnis von Kulturpolitik ist, ist ein Trottel oder ein Finsterling oder beides zugleich.

Da ist was dran. Kulturpolitik abzulehnen entspräche einer Ablehnung von Gesellschaftspolitik. Und damit einer Verneinung aller anderen Politikfelder. Weder Innen- noch Verteidigungs- noch Wirtschafts- oder Umweltpolitik sind ohne Kultur zu denken. Und Bildungspolitik zumal ist stets Kulturpolitik. Die Kultur ist das diskursive Obersystem einer Gesellschaft, sie ist das am weitesten zu fassende Verständigungssystem einer Gesellschaft über sich selbst. Der Prozess, der diesem Verständigungssystem in jeder Gesellschaft zugrunde liegt, ist eine dynamische Angelegenheit. In und mit ihr ändert sich einerseits im Zweifelsfalle stündlich etwas. Im Verständigungssystem Kultur überdauern Geschichten oder Bauwerke oder Musik oder Bilder andererseits Jahrtausende und Jahrhunderte.

Was mit der Frage nach kulturellen Standards, nach Ritualen und Symbolen und den mit allem zusammenhängenden Metaphern sehr eng zu koppeln ist. Welche (zum Beispiel Bildungs-) Systeme bedingen welche kulturellen Standards, welche Rituale gelten innerhalb welcher Gruppen, Regionen, Gesellschaften, welche Symbole tragen das Ganze und machen es erkennbar wie auch vermittelbar, und wie entwickeln die jeweiligen Sprachen jene Metaphern, die ein komplexes Verständigungssystem über sich selbst notwendigerweise zur Verfügung haben sollte? Und welche Rolle spielt in diesem Prozess die Kunst, spielen die Künste, spielen Texte, Bilder, Töne? (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 184)

Stephan Opitz, geb. 1951, lehrt am Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Von 1999 bis 2014 leitete er das Referat für Kulturelle Grundsatzangelegenheiten im für Kultur zuständigen Ministerium des Landes Schleswig-Holstein. Zuletzt erschien „Marcel Reich-Ranicki. Peter Rühmkorf. Der Briefwechsel“ (hrsg. mit Christoph Hilse).

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