Rahel Jaeggi: Das Ende der Besserwisser

Die Kritik ist in der Krise. Das liegt nicht etwa nur daran, dass die Möglichkeiten von Kritik angesichts gesellschaftlicher Verhältnisse, die sich als alternativlos darstellen und in denen die Entscheidungsspielräume schwinden, beschränkt sind, oder daran, dass sich das Kritisierte als außerordentlich beständig erwiesen hätte. Vielmehr gerät die Kritik als solche ins Visier einer Kritik der Kritik1. Diesen Kritikern zufolge haben sich die kritisierten Verhältnisse gerade nicht als beständig, sondern als geradezu verblüffend wenig kritikresistent erwiesen.

Sie haben sich, so eine mehrfach variierte Diagnose, die Kritik zu eigen gemacht, sie absorbiert und sich entsprechend dieser gewandelt2. Kritik ist dann nicht mehr kritisch, sondern affirmativ. Kritik ist zum Teil des Bestehenden, Kitt des Bestehenden, Schmiermittel seiner (neoliberalen) Transformation geworden. Und noch schlimmer: Gerade als solche sei die kritische Haltung hegemonial geworden. Keine Anpassung mehr ohne Kritik. (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 182)

Rahel Jaeggi, geb. 1966, ist Philosophie­-Professorin an der Humboldt­-Universität zu Berlin. Zuletzt erschien »Kritik von Lebensformen.«

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