Christina von Braun – Wir zahlen alle den Preis des Geldes

Auf der Suche nach einer neuen ökonomischen Rationalität

Wir leben in einer Zeit der Finanzkrisen, der Eurokrisen, in denen die Spekulationsgewinne einiger für viele Millionen Menschen den Verlust des Arbeitsplatzes oder der Behausung bedeuten. Das ist in den letzten drei Jahren wiederholt thematisiert worden. Bisher wenig thematisiert wurde die Tatsache, dass der Schaden nicht nur »die anderen«, sondern auch die Spekulanten trifft. Denn auch ihre Gewinne lösen sich in Luft auf, wenn ihr Geld nichts mehr wert ist. Warum das so ist, zeigt ein Blick in die Geschichte des Geldes.

Geld als soziales Netz: Geld ist mehr als Wertmesser, Zahlungsmittel, Wertaufbewahrungsmittel, Tauschmittel – es ist ein soziales Bindemittel, das Gemeinschaften zerstören oder auch erzeugen kann. In dieser Hinsicht übernahm es viele Eigenschaften aus den Gemeinschaften, die nach dem Gesetz der zeremoniellen Gabe funktionieren. In diesen konstituiert die Gabe das soziale Band: Jede Gabe muss durch eine andere erwidert werden. Geschieht dies nicht oder wird gar die Annahme verweigert, kommt dies einer Kriegserklärung gleich. Bei der Gabe geht es nicht um irgendeinen Wert, vielmehr, so Marcel Mauss, gibt man sich selbst, »und zwar darum, weil man sich selbst – sich und seine Besitztümer – den anderen ›schuldet‹«. Diese Implikation des Gebers in die gegebene Sache, so Marcel Hénaff, ist nicht metaphorisch gemeint: »Das ganze Netz der Leistungen besteht darin, daß jeder anderswo etwas von sich riskiert und bei sich etwas von dem anderen erhält.« (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 172)

Christina von Braun, geb. 1944, ist Professorin für Kulturtheorie mit dem Schwerpunkt Geschlecht und Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Außerdem ist sie als Autorin und Filmemacherin tätig sowie Sprecherin des Zentrums Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Zuletzt erschien „Der Preis des Geldes. Eine Kulturgeschichte“.

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