Brief eines Lesers (3) Johan Schloemann

Wenn ich »rechte Linke« höre, dann fällt mir als Erstes eine Episode der jüngeren Pressegeschichte ein. Kurz nach der Jahrtausendwende gehörte ich zur Redaktion der Berliner Seiten. Diese an jedem Werktag erscheinende Beilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war der Versuch, einen unkonventionellen, unterhaltsamen, aber anspruchsvollen Lokalteil zu machen, ein politisch und kulturell neugieriges Hauptstadtfeuilleton – etwa so in der Tradition von Heinrich von Kleists Berliner Abendblättern stehend, wie auch das Kursbuch in einer nunmehr ehrwürdigen, zwischendurch unterbrochenen Traditionslinie steht.

Als nun die FAZ sich im Sommer des Jahres 2002 gezwungen sah, jene originelle Hauptstadtbeilage, die wunderbar spielerische, ja anarchische Züge hatte (dafür aber praktisch keine gewinnbringenden Anzeigen), nach dem Platzen der seinerzeitigen New-Economy-Blase ersatzlos einzustellen, um die Kosten zu senken, da hagelte es Mitleidsbekundungen. Unzählige Leserbriefe beklagten das Ende eines lebendigen und kritischen urbanen Forums, wie es das stets für provinziellen Mief und Kiez-Denken anfällige Berlin doch so nötig habe. (…)

(weiterlesen im Kursbuch 173)

Johan Schloemann, geb. 1971, ist Redakteur des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung.

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