Birger P. Priddat 
- Tante Emma, Big Brother

Wie Märkte ihre Käufer zurichten

Von den vielen Änderungen, die die Welt in unseren Zeiten erfährt, fällt an den Märkten besonders auf, wie schnell sie neue Waren, Angebote, Bedeutungen offerieren. Im Wettbewerb tauchen ständig neue Produkte auf: nicht nur in der Mode und bei den Automobilen, wo wir es gewohnt sind, sondern auch bei den Nahrungsmitteln, den Wellnessangeboten und Sportarten, den elektronischen Geräten, die heute zu den notwendigen Begleitmaschinen zählen. Aber es geht nicht nur um elektronische Produkte, sondern vor allem um die über das Internet laufenden elektronischen Handelsformen. Der E-Commerce lässt in der Digitalisierung aller Informations-, Werbungs- und Transaktionsbeziehungen eine Bild-, Zeichen- und Informationsdimension einziehen und ändert dadurch Marktkulturen auf eine Art und Weise, die mit dem, wie wir Märkte bis heute zu betrachten gelernt haben, nichts oder nur noch wenig zu tun haben.

Ich kenne noch die kleinen Läden, in denen man alles kaufen konnte, was für die Versorgung der umliegenden Haushalte nötig war. Vieles wurde »lose« verkauft: Heringe aus dem Fass, Sauerkraut oder auch Butter, Mehl und Zucker aus Säcken, Milch aus einer Pumpe, unter die man mitgebrachte Aluminiumkannen hielt. Zigaretten wurden zum Teil sogar einzeln abgegeben, ebenso Bonbons für die Kinder. Auf einer für alle einsehbaren Tafel wurde »angeschrieben«, das heißt, Kredite, die der Ladeninhaber säumigen Hausfrauen zugutehielt, wurden offengelegt. Die Läden boten Lebensnotwendiges an, bei nur wenigen Luxuswaren wie Schokoladen, Liköre, manchmal Wein. Für das Viertel reichte das Angebot völlig. Man ging nicht einkaufen, sondern »holte« das, was man »brauchte«. Die Läden waren Versorgungsstationen.  (…)

(weiterlesen im Kursbuch 187)

Birger P. Priddat, geb. 1950, ist Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaft und Philosophie an der Universität Witten/Herdecke, außerdem Herausgeber der Zeitschrift agora42. Zuletzt erschien »Erwartung, Prognose, Fiktion, Narration. Zur Epistemologie des Futurs in der Ökonomie.«

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