Barbara Sichtermann: Trash, Pornos und chinesische Kleinbauern

Die Niveau-Apostel des Fernsehens sind weg, lasst uns über Niveau sprechen. Die Primitivität dessen, was seit einiger Zeit auf dem Fernsehschirm zu sehen ist – wobei die öffentlich-rechtlichen Kanäle den kommerziellen kaum nachstehen –, lässt sich nicht mehr unterbieten. So der Stoßseufzer des wohlerzogenen Feuilletons mit seinen gepflegten Alt-Eliten. Da werden schlichte Jungs und Mädels von der Straße beim bodenlos trivialen Geschwätz und beim Duschen gezeigt, da begibt sich ein Entertainer mit einem Nachrichtenmann ins Abführtee-Wetttrinken, da wirft ein Spaßmacher mit Four-Letter-Words, die im Deutschen sechs Buchstaben haben, nur so um sich – es ist nicht mehr zum Aushalten. Das Fernsehprogramm kann man vergessen. Das Niveau sinkt nicht, es stürzt ab. Schade, dass das nicht, wie beim Computer, sein technisches Aus bedeutet. All diese Klagen sind berechtigt. (…)

Aus: Kursbuch 145, »Der laufende Schwachsinn«, 2001, S. 117

Nur noch ältere Leute sagen heute »das Fernsehen«. Und wenn jüngere »das Fernsehen« sagen, meinen sie das Gerät und nicht das Programm. Früher sagten nur ältere, oft mürrische Menschen: »Ich schaue überhaupt nicht mehr fern.« Heute äußern denselben Satz junge, frohgemute Zeitgenossen, die damit aber nicht sagen wollen, dass das Programm sie nicht interessiert, sondern dass sie andere Endgeräte nutzen, um es abzurufen. Es hat sich viel getan, seit ich vor zirka 14 Jahren das erste Mal für das Kursbuch auf die Frage antworten konnte: Rutscht das Fernsehprogramm nach dem Start der kommerziellen Sender unter Niveau? Andere Fragen stehen heute im Vordergrund. (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 182)

Barbara Sichtermann, geb. 1943, ist Schriftstellerin und arbeitet für Presse und Hörfunk. Zuletzt erschien »Ein Leben für die Kunst: Mäzeninnen« (mit Ingo Rose).

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