Lara Fritzsche: Bah, Nahrungsaufnahme

Schön war die Zeit, als sich Frauen noch von dem Körper einer Schauspielerin oder einer Sängerin unter Druck setzen ließen. Man blätterte in einer Illustrierten herum, betrachtete das Bild eines Stars im Bikini mit straffen Brüsten, flachem Bauch und schlanken Beinen und fragte sich, warum man selbst eigentlich nicht so hübsch und vor allem so dünn sein könnte.

Mittlerweile lässt sich kein Mensch mehr von dem Körperfettanteil und dem Body-Mass-Index einer HollywoodSchönheitskönigin aus der Ruhe bringen. Das hat allerdings nichts damit zu tun, dass junge Frauen gelernt haben, zu ihrem Körper und seinen Besonderheiten zu stehen. Der Grund ist, dass die Stars keine Vorbilder mehr sind. Sie sind zu fett.

Die Illustrierte Bunte hat vor einiger Zeit eine neue und sehr beliebte Rubrik eingeführt: »Auf der BunteWaage«. Jede Woche ist eine andere Frau dran. Die Bunte zeigt zwei Fotos von ihr, eins mit dem Vorher-Gewicht und eins mit dem Nachher-Gewicht, dazu eine Schätzung der Redakteure über die neue Kilozahl und ein hämischer Kommentar. Fertig ist »Auf der Bunte-Waage«. Da heißt es dann über die Sängerin Aubrey O’Day, sie habe schon immer mehr als nötig auf den Rippen gehabt, aber inzwischen sehe sie in engen Kleidern aus wie ihr Vorbild »Presswurst Mariah Carey«. In einer Bildunterschrift werden also gleich zwei Frauen beleidigt. (…)

Lara Fritzsche, geb. 1984, ist Journalistin und Sachbuchautorin. Zuletzt erschien »Das Leben ist kein Ponyhof«.

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