Armin Nassehi – Wenn wir wüssten!

Kommunikation als Nichtwissensmaschine

Eines der schönsten Kinderspiele ist die »Stille Post«. Einer beginnt und flüstert dem Nächsten ein Wort oder einen Satz ins Ohr, und am Ende wird dann geprüft, ob tatsächlich das herausgekommen ist, was der Erste gesagt hat. Dieses bisweilen lustige Kinderspiel klingt sehr harmlos, und doch variiert es die vielleicht wirkmächtigste Kommunikationstheorie des 20. Jahrhunderts, nämlich das Verständnis von Kommunikation als Relation von Sender und Empfänger. Sender und Empfänger werden durch die Informationsübertragung unterschieden. Wenn also der erste Sprecher »Mist« ins Ohr des zweiten flüstert und dieser »List« weitergibt und der Dritte dem Vierten eine »Lust« anvertraut, dann lässt sich darauf schließen, dass die Kommunikation insofern gestört ist, als das Signal nicht genau genug war.
Es ist auf dem Weg vom Ersten über den Zweiten und Dritten zum Vierten etwas verloren gegangen, Präzision nämlich, denn in einem wirklich gelungenen Kommunikationsprozess müsste auch der Letzte noch »Mist« hören. (…)

(weiterlesen im Kursbuch 180)

Armin Nassehi, geb. 1960, ist Professor für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zuletzt erschien Die letzte Stunde der Wahrheit. Warum rechts und links keine Alternativen mehr sind und Gesellschaft ganz anders beschrieben werden muss.

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