Armin Nassehi – Nicht nur die Rechten

Warum die Moderne so anstrengend ist

Die Bundesrepublik hat sich im europäischen Vergleich stets gerühmt, dass es hierzulande bis dato keiner rechten Partei gelungen sei, sich im parlamentarischen System zu etablieren. Vielleicht sind also die jüngsten Wahlerfolge der AfD als eine Art europäische Normalisierung zu verstehen, nachdem eine offenkundig rechte, wenigstens stark rechtskonservative politische Kraft sich in den Parlamenten einzurichten beginnt. Freilich ist das ebenso wenig ein Grund dafür, das Abendland untergehen zu sehen, wie es die Einwanderungs- und Fluchtfolgen der letzten Jahre gewesen sind. Die öffentliche Panik und der entsprechende Alarmismus in der öffentlichen Debatte verweisen denn auch auf etwas anderes als nur die Frage, was sich da im politischen Spektrum abbildet.

Vielleicht ist es ein Hinweis darauf, wie anstrengend die Moderne ist – was übrigens ein Topos ist, der seit Beginn der sozialwissenschaftlichen Reflexion über Modernisierungsprozesse diskutiert wird. Vielleicht sollte man dieser »Angestrengtheitsdiagnose« einmal nachgehen, um zu verstehen, warum »rechte« Reflexe derzeit so gut funktionieren – und warum sie womöglich darin unterschätzt werden, gar nicht das »ganz andere« zu sein. Vielleicht ist das, was hinter dem AfD-Syndrom steht, repräsentativ für die Reaktion der Moderne auf sich selbst. Und womöglich sind die Verächter der rechten Kleinbürger diesen ähnlicher, als sie es sich in ihren schlimmsten Träumen ausmalen können.  (…)

(weiterlesen im Kursbuch 186)

Armin Nassehi, geb. 1960, ist Professor für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zuletzt erschien „Die letzte Stunde der Wahrheit. Warum rechts und links keine Alternativen mehr sind und Gesellschaft ganz anders beschrieben werden muss“.

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