Armin Nassehi – Gewalt als Normalfall

Warum der Frieden kalt bleiben muss

Wir leben in pazifizierten Räumen. Man muss den Begriffsgebrauch ge­nau beachten: Wir leben nicht in pazifischen Räumen – damit meine ich nicht, dass wir nicht in Kalifornien oder auf Tonga leben, sondern dass diese Räume nicht immer schon friedlich waren, sondern befriedet wurden beziehungsweise werden mussten. Befriedet werden muss nur das, was nicht per se und sui generis bereits pazifisch ist. Und die Pazifizierung geschieht nicht ein für alle Mal, sondern muss permanent bestätigt werden – am Ende wird dabei herauskommen, dass das ein Tun durch Unterlassen sein muss.

Äußerer Frieden, innerer Krieg?

Die politische Philosophie der Neuzeit beginnt mit dem Naturzustand, besser: Sie beginnt mit der Einsicht, dass die Abwesenheit einer die Ge­walt kontrollierenden Zentralinstanz die Menschen übereinander herfallen lassen würde. Thomas Hobbes schrieb im Leviathan von 1651: »Der alleinige Weg zur Errichtung einer […] allgemeinen Gewalt, die in der Lage ist, die Menschen vor dem Angriff Fremder und vor gegenseitigen Übergriffen zu schützen und ihnen dadurch Sicherheit zu verschaffen, daß sie sich durch eigenen Fleiß und von den Früchten der Erde ernähren und zufrieden leben können, liegt in der Übertragung ihrer gesamten Macht und Stärke auf einen Menschen oder eine Versammlung von Menschen, die ihre Einzelwillen durch ­Stimmenmehrheit auf einen Willen reduzieren können.« (…)

(weiterlesen im Kursbuch 188)

Armin Nassehi, geb. 1960, ist Professor für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zuletzt erschien „Deutschland. Ein Drehbuch“ (zu­sam­men mit Peter Felixberger).

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