Alfred Hackensberger – Die letzte Reise in den Dschihad

Die Geschichte eines deutschen IS-Kämpfers

Sie geben vor, in den Urlaub zu fahren, Bekannte zu besuchen, oder verschwinden auch ohne jeden Grund von einem Tag auf den anderen. Ihr Zuhause, ihre Arbeit, Freunde und Familie, ihre gesamte Vergangenheit lassen sie bereitwillig zurück. Denn sie werden »neu geboren«, mit neuem Namen, einer neuen Identität, einem neuen Sinn des Lebens. Meistens hört man von ihnen über längere Zeit erst einmal nichts. Bis sie sich dann aus Syrien oder dem Irak melden und als Kämpfer des Islamischen Staats (IS) outen. Aus Europa sind es allein 6000 überwiegend junge Männer, die es zur Terrormiliz ins geheiligte Land al-Sham gezogen hat. Aus Deutschland sollen es, laut Angaben des Bundesnachrichtendienstes, rund 750 sein.

Einer von diesen Deutschen ist Benjamin oder besser Abdullah al-Almani, wie er vom IS getauft wurde und auch genannt werden möchte. Der 24-Jährige stammt aus Offenbach und ging im Januar 2014 auf Hidschra, in die Auswanderung. Zusammen mit seiner frisch vermählten Frau reiste er nach Syrien, um sich gezielt dem IS und keiner anderen Rebellengruppe anzuschließen. Ihm war es egal, von nun ab als Terrorist zu gelten. Im Gegenteil, er war sogar stolz darauf, zur brutalsten aller islamistischen Terrororganisationen zu gehören. Es kümmerte ihn wenig, dass es keine Rückkehr in sein vorheriges, »bürgerliches« Leben in Deutschland gab. Abu Abdullah war verdammt, bei den Dschihadisten zu bleiben und dort mit hoher Wahrscheinlichkeit als sogenannter Märtyrer zu sterben. Zu Hause wartete nur der Knast auf ihn – und das für sehr lange Zeit. (…)

(weiterlesen im Kursbuch 187)

Alfred Hackensberger, geb. 1959, ist Journalist und Autor. Er lebt in Tanger und arbeitet unter anderem als Korrespondent für die Welt. Zuletzt erschien »Letzte Tage in Beirut«.

Das Kursbuch und auch die Abos können Sie im Shop kaufen.
Für den kostenlosen Newsletter des Kursbuchs können Sie sich hier eintragen:


Hinterlassen Sie einen Kommentar (moderierter Bereich)

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind markiert *